ALPINES BRISE-, WIND- UND STURMREGISTER

MIT SVEN BÖSIGER, MICHAEL NEFF, PATRICK KESSLER UND STEFAN BAUMANN
TÜR 20:30 BEGINN 21:00 10.-

DER EINTRITT GILT ALS RABATT BEIM KAUF EINER PLATTE.

Sven Bösigers feingliedrige und improvisierte Klangkunstwerke wurden im Palace bereits in zahlreichen Projekten vorgestellt. Zusammen mit Patrick Kessler vertonte er als Nomadton an der Maultrommel die Wetterkamera auf dem Säntis. Auch sein neuster Streich widmet sich ganz dem Wind: Das alpine Brise-, Wind- und Sturmregister vereint 10 Gastmusiker_innen, die die Atmosphären und Skalen von Winden eingespielt und aufgenommen haben. Bösiger ergänzte die Tracks mit seinen Arrangements und bringt sie nun auf einer LP heraus. Stellvertretend für die ganze Equipe präsentieren Michael Neff, Patrick Kessler, Stefan Baumann und Sven Bösiger an diesem Abend die frisch gepresste Vinyl-Platte live. Aus dem Windschatten heraus heulen, flattern und säuseln sie und ziehen alle Register der Windmusik.

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Oktober im Mai

25.10.2017 20:15 – 28.10.2017 20:15

OKTOBER

Das Chössi Theater und die Wilden Weiber Lichtensteig präsentieren

Chössi Ensemble

OKTOBER IM MAI

Das revolutionäre Stück wird pünktlich zum Hundertjahrjubiläum der Russischen Revolution durch das Chössi Ensemble uraufgeführt.

Ein Toggenburger Verdingbub flieht Anfang des 20. Jahrhunderts vom Hof seines Meisters, um in den Fabriken Zürichs Einkunft als Hilfsarbeiter zu finden.

Dort trifft er auf die Medizinstudentin und Aristokratin Irina. Er verliebt sich in ihre Klugheit, ihr exotisches Antlitz, sie schaut zu ihm auf, weil er ein waschechter Proletarier ist, ein Adonis der Arbeit, den es von der kapitalistischen Ausbeutung zu befreien gilt – sie schwärmt für den Landsmann Wladimir Iljitsch Uljanow (Lenin). Dieser trifft sich zu dieser Zeit in seinem Versteck an der Spiegelgasse im Zürcher Niederdorf mit seinen Genossen.

Mit dem Frühjahr 1917 und der überstürzten Rückkehr Lenins nach Russland kommt für den Toggenburger eine schwerwiegende Entscheidung: Arbeit oder Liebe? Er wählt die Liebe und findet sich unvermittelt in Russland zurzeit der Revolution wieder…

Regie: Barbara Bucher

Assistenz: Seraina Kobelt

Text: Michael Hasenfuss

Film: Michael Egger

Ton: Stefan Baumann

Der optimierte Wald

by Kristin Schmidt

Stefan Baumann brachte das Sportzentrum zum Klingen und liess es schmelzen. Sein lebendiger, geräuschvoller Wald wurde zum Auftakt für Reflexionen zur allgegenwärtigen Optimierung.

Schmale Holzstreifen pendelten sachte hin und her. Sie säuselten, zwitscherten, wisperten, brausten, summten und brummten. Jeder der Streifen trug einen Lautsprecher. Jeder Lautsprecher war verkabelt und in einen Klangbaum verwandelt. Einen Wald aus Holz und Tönen hatte Stefan Baumann für die Kulturlandsgemeinde im Sportzentrum Herisau installiert. Einen Wald, dicht gewachsen, mit einem geschwungenen Weg, nicht zu eng, aber auch kein Trassee. Für die eiligen Sportlerinnen und Sportler mit ihren grossen Taschen war extra ein Seitenweg freigehalten. Wer den Bogen nicht hatte gehen wollen, konnte an der Seite entlang oder gerade durch das Dickicht gehen. Zwei Tage vor der Kulturlandsgemeinde kam dann alles anders. Der Wald wurde zum Risikofaktor – feuerpolizeilich eingestuft. Eine Schneise musste geschlagen, eine Sichtlinie vom Eingang des Sportzentrums bis zur Treppe ermöglicht werden. Damit es schnell gehe im Fall der Fälle, für die optimale Sicherheit. Zuvor war der Wald ein Wald, den Familien zum Picknicken nutzten und der Sportlerinnen und Sportler zu eleganten Schwüngen verführte vorbei an den schwingenden Steifen. Die Achtsamkeit stellte sich von selber ein, die Installation hatte etwas Grundlegendes in den Menschen angesprochen. Und nach dem Eingriff? Die künstlerische Arbeit wirkte nicht mehr ganz so unmittelbar auf die Gäste des Sportzentrums und der Kulturlandsgemeinde, aber sie wirkte immer noch. Stefan Baumann gelang es, seinen Wald den Regeln anzupassen. Licht und Töne lockten ins Innere des durchgangsoptimierten Waldes. Das rauschende Bächlein konnte gesucht und dem Vogelpfeifen nachgegangen werden. Ein Wind liess sich hören, prasselndes Feuer ebenso und rein digital. Denn was zunächst natürlich tönte, offenbarte sich bei genauem Hinhören als künstlicher Geräuschwald: Der Komponist, Musiker und Instrumentenbauer Baumann belebte mit einem digitalen Programm das Dickicht der schmalen Holzstreifen, visuelle und akustische Eindrücke vereinten sich. Zudem waren die unbehandelten Holzstreifen das Bindeglied zwischen Kultur und Sport: Sperrholz bildet einen Resonanzkörper und wird im Instrumentenbau wie in der Raumakustik verwendet. Es wird im Schiffbau eingesetzt, dient als stabiler, federnder Kern in Ski, Skate- und Snowboards und wird zu Turngeräten verbaut. Sperrholz ist ein vielseitiger Werkstoff mit archaischen Wurzeln, klimaneutral, nachwachsend, hochspezialisiert und hochtechnologisch genutzt.

Auch die fünf Klangkugeln in der Turnhalle bestanden aus Sperrholzstreifen. Sie erinnerten in Zahl und Form an die fünf olympischen Ringe und riefen die Teilnehmenden und Gäste der Kulturlandsgemeinde herbei. Sportgeräusche ertönten aus den jeweils acht Lautsprechern. Tischtennisbälle klackerten, Skateboards bretterten, Ski schnarrten durch den Schnee, Velos sirrten vorbei. Die Klänge steigerten sich in einem Crescendo zu einem Schnaufen. Dann kehrte Stille ein und das Getöse wich der konzentrierten Ruhe. Das Sportzentrum wandelte sich wieder in einen Ort des Reflektierens und Disputierens, des Nach- und Weiterdenkens zu Optimierungsprozessen und deren Folgen. Auch die Ökologie kam dabei zur Sprache. Stefan Baumann brachte sich mit seiner Arbeit «Tropfendes Eisfeld“ in diesen Diskurs ein. Er versetzte die grosse Fensterscheibe zwischen Cafeteria und Eissporthalle mit speziellen Lautsprechern in Schwingung. Die Scheibe begann akustisch zu tropfen, zu schmelzen. Dieses Schmelzen setzte sich bis in die Eishalle fort. Hier, wo noch im Mai Eishockeyspielerinnen und Eiskunstläufer trainieren, zog Tauwetter ein. Immer in den Trainingspausen rann akustisch das Wasser. Die Irritation setzte sich mit der Performance in der Mitte des Eisfeldes fort. Dort spielte Baumann Stücke zum Thema Gletscherschmelze, Optimierung, Archaik, Vergänglichkeit und Zeit. So verband er den klimaneutralen, sicherheitsoptimierten Klangwald mit dem künstlichen Eisfeld, die künstlichen Waldgeräusche mit den Aufnahmen des echten Tropfens.

Obacht Kultur, Sonderausgabe Kulturlandsgemeinde 2017

Klangwald im Sportzentrum | St.Galler Tagblatt Online 23.05.17, 13*16

2. Mai 2017, 06:38 Uhr

Klangwald im Sportzentrum

Der Klangwald im Eingangsbereich des Sportzentrums. (Bild: Bilder: Daniel Ammann)

Die Installation des Teufner Cellisten, Komponisten, Improvisators und Audiodesigners Stefan Baumann verwandelt das Sportzentrum vorübergehend in einen Kulturlandsgemeindeort.

HANSPETER SPÖRRI

REDAKTION@APPENZELLERZEITUNG.CH

Wer dieser Tage das Sportzentrum Herisau betritt, muss seinen Weg durch einen Wald finden – den Klangwald des in Teufen lebenden Musikers und Klangkünstlers Stefan Baumann. 384 Sperrholzstreifen, rund zwei Meter lang und zehn Zentimeter breit, mit Magneten an der Decke befestigt und je mit einem Lautsprecher bestückt. Sie bilden zusammen ein klingendes Ins trument – das erste sichtbare Zeichen der diesjährigen Ausserrhoder Kulturlandsgemeinde, die am 6. und 7. Mai im Sportzentrum Herisau stattfinden wird.

Baumanns Klangwald funktioniert während der Kulturlandsgemeinde als eine Art Schleuse. Nur durch sie findet man zu den Diskussionsplatt formen, Workshops und den weiteren künstlerischen Installationen, zur bodenständig-visionären Gastronomie der Kulturlandsgemeinde. Ihr Zweck: vom Nebensächlichen ablenken, auf Ungewohntes einstimmen. Das Waldesrauschen, das erklingt, ist eine Komposition Stefan Baumanns. In ihr spielt der Zufall eine wichtige, aber nicht die einzige Rolle – wie fast immer im menschlichen Tun. Und das passt zur Kulturlandsgemeinde, die in diesem Jahr unter dem Motto steht: «grösser, glücklicher, gerechter» – und sich also um Versuche dreht, das bloss Zufällige zu überwinden, den Zufall zu steuern.

Baumann selbst ist ein Wanderer zwischen musikalischen und anderen Welten. Studiert hat er klassisches Cello und Audiodesign. Er besitzt das Lehr- und das Konzertdiplom, unterrichtet auch an der Musikschule Appenzeller Mittelland und kennt sich zudem aus in der digitalen Aufzeichnung, Produktion und Verwandlung von Tönen. Als ich ihm im Sportzentrum gegenübersitze, erlebe ich einen Mann, der schneller denkt, als er sprechen kann und schneller spricht, als ich Notizen mache. Begeistert erzählt er von seiner Mitarbeit am multimedialen Theaterprojekt «Cyberfaust», das vor mehr als 20 Jahren im Zollfreilager St. Gallen über die Bühne ging. Für ihn sei diese Inszenierung des alten Stoffs vor dem Hintergrund der Verführungsmöglichkeiten des damals neuen Internets der Startschuss für alle weiteren künstlerischen Erkundungen gewesen, «der Ursprung meiner Vielseitigkeit». Ebenso bedeutsam für seinen Weg sei die Zusammenarbeit mit dem Toggenburger Jugendorchester Il Mosaico gewesen: John Cage, Bach, Konzertreisen. «Musik ist nicht nur Spitzensport», sagt Bauman – und ich denke: Nicht nur, aber auch. Deshalb ist das Sportzentrum für die Kulturlandsgemeinde ein optimaler Ort. Baumann gehört zu jenen Kunstschaffenden, für die Arbeit mit Computern eine Selbstverständlichkeit ist. Die Programme würden immer komplexer: «Es braucht also nicht mehr nur Komponisten, sondern Interpreten – um die Zusammenhänge aufzuzeigen», sagt Baumann lachend.

Sein erster «Brotjob» war die Stelle als Tonmeister am Theater Basel, wo er in viereinhalb Jahren das Handwerk gelernt habe: Theater, Oper, Tanz, ein ehrgeiziger und fordernder Chef. «Aber längerfristig sah ich meinen Platz nicht hinter dem Mischpult, sondern auch auf der Bühne. So komponiert und improvisiert er – oft zusammen mit Patrick Kessler, mit dem er aktuell als Duo «schön tief» unterwegs ist –, er spielt klassisches Cello, arbeitet für den Film, spielt Appenzeller Musik. Davon erzählt er mit der gleichen Begeisterung wie von seinen Europatourneen mit der Genfer Folk-Punk-Band «Dead Brothers», die bei ihren Fans Kultstatus geniesst.

Stefan Baumann wohnt mit seiner Familie im Pfarrhaus in Teufen, dort, wo einst Baumeister Hans-Ulrich Grubenmann zu Hause war – das passt: Auch der Klangwald und die weiteren Installationen, mit denen Baumann das Sportzentrum zum Kulturort macht, verlangen konstruktive Fähigkeiten, Improvisationstalent und Lust am Unkonventionellen, wie sie einst auch Grubenmann auszeichnete.

säuseln, schnaufen, tropfen

Kompositionsauftrag der Kulturlandsgemeinde 2017 vom 6. bis 7. Mai 2017 im Sportzentrum Herisau

säuseln, schnaufen, tropfen

Stefan Baumann bringt das Sportzentrum zum Klingen und lässt es schmelzen. Ein lebendiger, geräuschvoller Wald ist der Auftakt für akustische Reflexionen zur allgegenwärtigen Optimierung.

Herisau, Appenzell, Schweiz, 20. April 2017 – Kultur Landsgemeinde, Klang Installation von Stefan Baumann. Foto: Daniel Ammann

 

Säuseln, zwitschern, wispern, brausen, summen, brummen – es klingt im Sportzentrum. Geräusche umfangen die Eintretenden, sie begleiten und leiten sie, sie locken hinein zwischen sanft schwingende Holzstreifen. Ein Weg tut sich auf, führt durch die hängenden Streifen hindurch vom Eingang des Sportzentrums bis zur Cafeteria und weiter bis zum Sporthalleneingang. Jeder der Streifen trägt einen Lautsprecher. Jeder Lautsprecher ist verkabelt. 32 verschiedene Signale werden auf die Klangbäume verteilt. Hier pfeift ein Sinusvogel, dort rauscht ein rosafarbener Wind, bald prasselt ein Feuer. Was zunächst natürlich tönt, offenbart sich bei genauem Hinhören als künstlicher Geräuschwald. Der Komponist, Musiker und Instrumentenbauer überlässt es dem Zufall, was wann wo erklingt: Ein digitales Programm belebt das Dickicht der schmalen Holzstreifen. Technik trifft auf Natur, Komposition und Gestaltung treffen auf Eigendynamik, visuelle und akustische Eindrücke vereinen sich. Zudem sind die 384 unbehandelten Holzstreifen das Bindeglied zwischen Kultur und Sport: Sperrholz bildet einen Resonanzkörper und wird im Instrumentenbau wie in der Raumakustik verwendet. Es wird im Schiffbau eingesetzt, dient als stabiler, federnder Kern in Ski, Skate- und Snowboards und wird zu Turngeräten verbaut. Sperrholz ist ein vielseitiger Werkstoff mit archaischen Wurzeln, klimaneutral, nachwachsend, hochspezialisiert und hochtechnologisch genutzt.

Auch die fünf Klangkugeln in der Turnhalle hat Stefan Baumann aus Sperrholzstreifen gebildet. Sie sind über Kopfhöhe aufgehängt und erinnern in Zahl und Form an die fünf olympischen Ringe. Sportliche Höchstleistungen erfordern die Ringe jedoch nicht, sondern sie rufen die Teilnehmenden und Gäste der Kulturlandsgemeinde herbei. Sportgeräusche ertönen aus den jeweils acht Lautsprechern. Tischtennisbälle klackern, Skateboards brettern, Ski schnarren durch den Schnee, Velos sirren vorbei. Die Klänge steigern sich in einem Crescendo zu einem Schnaufen. Dann kehrt Stille ein und das Getöse weicht der konzentrierten Ruhe. Das Sportzentrum wandelt sich wieder in einen Ort des Reflektierens und Disputierens, des Nach- und Weiterdenkens zu Optimierungsprozessen und deren Folgen. Auch die Ökologie kommt dabei zur Sprache. Stefan Baumann bringt sich mit seiner Arbeit «Tropfendes Eisfeld“ in diesen Diskurs ein. Er versetzt die grosse Fensterscheibe zwischen Cafeteria und Eissporthalle mit speziellen Lautsprechern in Schwingung. Die Scheibe wird selbst zu Eis und beginnt akustisch zu tropfen, zu schmelzen. Dieses Schmelzen setzt sich bis in die Eishalle fort. Hier, wo noch im Mai Eishockeyspielerinnen und Eiskunstläufer trainieren, zieht Tauwetter ein. Immer in den Trainingspausen rinnt akustisch das Wasser. Teilnehmenden und Gäste der Kulturlandsgemeinde sind eingeladen, mit Schlittschuhen aus dem Verleih des Sportzentrums ihre Runden zu ziehen. Das Eis trägt, aber es tropft unablässig für die Ohren der Eislaufenden. Die Irritation setzt sich mit der Performance in der Mitte des Eisfeldes fort. Dort spielt Baumann Stücke zum Thema Gletscherschmelze, Optimierung, Archaik, Vergänglichkeit und Zeit. So verbindet er den klimaneutralen Klangwald mit dem künstlichen Eisfeld, die künstlichen Waldgeräusche mit den Aufnahmen des echten Tropfens. Sein optimiertes sechssaitiges Cello kombiniert Baumann mit Loops und Elektronik. Willkommen in der Eisdisco im Mai!

 

Text: Kristin Schmidt